Neben Maria Plain zählt Maria Kirchental zu den beliebtesten Wallfahrtsorten im Salzburgerland. Kaum ein anderer Ort weit und breit kann eine so beeindruckende Einheit von Natur und Kultur, von Geschichte und Gegenwart aufweisen. Seit über 300 Jahren pilgern Salzburger, Tiroler, Oberösterreicher und Bayern zu diesem 900 m hoch gelegenen Gnadenort zu Füßen der Loferer Steinberge. „Bergkristall unter den Wallfahrtsorten“ hat ihn Alterzbischof Eder nach Abschluß der Renovierungsarbeiten im September 2001 genannt.
Im Rahmen des Skapulierfestes am 21. Juli 2024 wurden die Schlüssel des Wallfahrtsortes durch Erzbischof Dr. Franz Lackner offitiell an die Schwestern und Brüder der Marianischen Gemeinschaft "Oase des Friedens" übergeben.
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Das Gnadenbild wurde um das Jahr 1400 von einem unbekannten Künstler der Spätgotik für die Pfarrkirche von St. Martin geschaffen. Das Jesuskind auf dem Arm der Gottesmutter trägt einen kleinen Vogel, einen Stieglitz, in seiner linken Hand. Der Distelfink, wie der Stieglitz auch genannt wird, ernährt sich vornehmlich vom Samen der Disteln. Auch Albrecht Dürer, der bekannte Maler des Mittelalters, hat eine Stieglitzmadonna gemalt.
Mit dem Zeigefinger der rechten Hand zeigt das Jesuskind auf den Vogel, so als wollte es sagen:“ Betrachtet die Vögel des Himmels; sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln nicht in Scheunen. Und doch ernährt sie euer himmlischer Vater. Wie viel mehr seid ihr wert als alle Vögel zusammen?“ --> (Lk 12,24 ff)
Das Gnadenbild wurde um das Jahr 1689 von einem Bauern namens Rupert Schmuck in das abgelegene Hochtal heraufgebracht. Er gab ihm einen Platz in einer Waldkapelle, zu der sehr bald und spontan eine Wallfahrt einsetzt.
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Beeindruckt von den vielen Gebetserhörungen, die zu dieser Zeit bereits von einer großen Zahl von Votivtafeln bezeugt wurden, entschloss sich der damalige Fürsterzbischof Johannes Graf von Thun eine Wallfahrtskirche zu bauen.
Die Planung der Kirche übertrug er dem kaiserlichen Hofarchitekten Fischer von Erlach. Unter der Leitung des Baumeisters Stefan Millinger, geboren in St. Martin, haben einheimische Handwerker und Hilfskräfte in nur sieben Jahren, von 1694 bis 1701, den „Pinzgauer Dom“ fertiggestellt.
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Das Skapulierfest ist ein seltener kirchlicher Brauch, der im Bundesland Salzburg hier in der Wallfahrtskirche Maria Kirchental in St. Martin bei Lofer gefeiert wird.
1712 gründete der Mesner Paul Gartner die Bruderschaft der "Marianischen Karmeliter-Skapuliers", 1716 spendete er, vermutlich im Namen der Bruderschaft, 100 Gulden zur Anschaffung der Kirchenorgel. Die Bruderschaft huldigt der heiligen Maria vom Berge Karmel (Israel), deren Festtag im kirchlichen Jahr am 16. Juli gefeiert wird. Mit dem Skapulier, einem Schulterkleid, werden die Träger durch Marias Hilfe geschützt. Bei den jährlichen Umzügen werden Laternen, Bruderschaftskreuze, Bruderstäbe und ein "Himmel" mitgeführt. Die Brüder sind in schlichte rote Gewänder gekleidet. In St. Martin wurde diese Prozession regelmäßig bis 1968 abgehalten und dann eingestellt. 1989 wurde diese Form der Marienverehrung vom damaligen Kirchentaler Rektor Pater Michael Hecht und vom Kirchentalwirt Sepp Dürnberger wiederbelebt.
Die Skapulierbruderschaft in Kirchental breitete sich schon bald nach ihrer Gründung über die Gemeinden des Unteren Saalachtales aus: St. Martin bei Lofer, Lofer, Unken und Weißbach. Ungewöhnlich für die damalige Zeit: Auch Frauen waren von Anfang an gleichberechtigte Mitglieder.
Heute wird das jährliche Skapulierfest immer am ersten Sonntag nach dem 16. Juli gefeiert.
Die aktuellen Termine von Feiern der Skapulierbruderschaft finden sie auf der Seite der "regelmäßigen Veranstaltungen"